Bürgerbegehren „Zurück zum alten Stadtbussystem“

Nach über acht Monaten zeigt sich: Das neue Stadtbuskonzept 2.0 stößt auf breite Ablehnung. Viele Bürger wenden sich vom Bus ab, steigen aufs Auto um oder meiden die Innenstadt. Die Ingenieure Ines Bender und Hartmut Bach starten daher ein Bürgerbegehren zur Rückkehr zum alten Stadtbussystem.

„Ein richtiger Schritt, den ich befürworte und unterstütze“, so Stadträtin Dr. Ulrike Schneider. „Ich bin in großer Sorge um unser Stadtbussytem und damit auch um unsere Innenstadt. Wir dürfen nicht immer weiter Busnutzer verprellen. Für die Verkehrswende brauchen wir mehr statt weniger Busnutzer und für die Attraktivität der Innenstadt bessere statt schlechtere Verbindungen!“

Die von den Stadtwerken für Oktober 25 angekündigten Nachbesserungen werten Bender und Bach als vergleichsweise unwesentlich, seien sie doch eher kosmetischer Natur. Ausgerechnet am Bergl, wo die Kritik am lautesten und für Bender und Bach in all ihren Punkten nachvollziehbar war, haben die Stadtwerke so gut wie keine Verbesserungen vorgenommen.

„Diese Buslinie hat werktags etwa ein Drittel ihrer Fahrten verloren und am Wochenende sogar die Hälfte“, bilanziert Hartmut Bach. Die unsinnige neue Streckenführung im Zick-Zack sorge nicht nur für Verkehrsprobleme, sondern auch für verlängerte Fahrtzeiten für fast alle Fahrgäste und damit verbundene höhere Kosten. „Eine Rückkehr zur alten Streckenführung würde alleine über 200.000 € im Jahr einsparen“, rechnet Bach vor.

Noch viel schlimmer: die versteckt entfallenen Fahrten

Die oberste Zielsetzung des alten Stadtbussystems lautete, möglichst viele Bürger mit möglichst vielen Fahrtgelegenheiten von A nach B zu bringen. Im Bereich der Stadt Schweinfurt standen der Mehrheit der Bürger für ihre Fahrten stets mehrere Buslinien zur Verfügung, die alle genutzt werden konnten, die zu versetzten Zeiten fuhren und somit ein noch viel dichteres Angebot an Fahrmöglichkeiten boten als dies unmittelbar aus dem Fahrplan abzulesen war.

Heute heißt das vorrangige Gebot, dass alle Buslinien zur selben Zeit am Roßmarkt eintreffen müssen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass alle Busse zur selben Zeit fahren und das Angebot zeitlich versetzter Linien nicht mehr existiert. Und dies
stellt eine enorme Angebotseinbuße für die Fahrgäste dar!

„Heute treffen am Kornmarkt innerhalb eines Zeitfensters von 30 Minuten zur exakt selben Zeit vier Busse ein und drängen sich an der Haltestelle – und dann kommt 29 Minuten lang kein Bus mehr!“, entrüstet sich Bender. „Früher trafen am Kornmarkt innerhalb von 30 Minuten sechs Busse zu unterschiedlichen Zeiten ein. Alle paar Minuten kam ein Bus und alle Linien waren nutzbar, weil sie aus der gleichen Richtung kamen.“ Ein Busnutzer aus diesem Stadtbereich habe bis zu 83% all seiner Fahrmöglichkeiten verloren durch das neue System!

Verlagerung von Haltestellen überflüssig und teuer

Von den aufgrund der neuen Linienführung wegfallenden Haltestellen waren bereits etwa 10 Haltestellen barrierefrei ausgebaut gewesen. „Mittlerweile wurde seitens der Stadt mitgeteilt, dass die Errichtung einer barrierefreien Haltestelle bei Fremdvergabe bis zu 80.000 € kostet“, berichtet die Ingenieurin. Die früher genannten 20.000 € seien nur der Eigenanteil eines Bürgers, welcher die Verlegung der Haltestelle wünsche. Alleine diese Stilllegung und Neuerrichtung der barrierefreien Haltestellen verursache einen finanziellen Schaden von mehreren Hundertausenden Euro.

„Eine Zumutung, vor allem für die Strom-, Gas- und Fernwärmekunden der Stadtwerke, die diesen finanziellen Schildbürgerstreich über den Querverbund mitfinanzieren müssen!“, so Hartmut Bach und Ines Bender.

Bürgerbegehren

„Es hilft hier kein kosmetisches Feilen an der ein oder anderen Schwachstelle, der Fehler liegt im System. Nur mit einer kompletten Abkehr vom neuen Stadtbussystem 2.0 mit seiner starren Taktung können wir den Wegfall der zeitlich versetzten
Fahrmöglichkeiten, die langen Standzeiten an den Endhaltestellen, die Ausdünnung des Fahrplans und damit die immense Verschlechterung des Systems zu Lasten der Busnutzer rückgängig machen“, so Bach und Bender. Nachdem Verkehrsbetriebsleiter Hrnjak bei der ÖPNV-Versammlung am Bergl (08.04.) hatte anklingen lassen, dass sein Herz nicht an der Neuordnung des Stadtbussystems hänge, dass er die gravierenden Schwächen des strikten Taktungs-Korsetts sowie die ausgesprochenen Nachteile der Endhaltestellen-Prinzips anerkenne und dass er zu einer Rückkehr zum früheren Bussystem bereit sei, sofern dies durch die Verantwortlichen der Stadt beauftragt würde, sei es nun für die Bürger an der Zeit zu handeln.

„Das Bürgerbegehren soll es möglich machen, dass die Bürger ihren Widerstand gegen das neue Bussystem nicht nur – wie bislang – in Zuschriften und Gesprächen zum Ausdruck bringen, sondern aktiv werden und ihre Stimme offiziell erheben. Es werden zunächst mindestens 2.400 gültige Unterschriften (6% der Wahlberechtigten) benötigt, damit das Bürgerbegehren in einen Entscheid mündet. Dieser findet nach Möglichkeit am Tag der Kommunalwahl statt, damit die Bürger nicht zweimal zur Wahlurne gehen müssen und der Stadt keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Die zentrale Anlaufstelle ist die Buchhandlung Collibri, wo Listen abgeholt und wieder abgegeben werden können. Außerdem beteiligen sich viele Einzelhändler an der Sammlung.